Recht und Freiheit

Ich bin bei den Franziskanern in Lübeck untergekommen. Und das ist mir sehr recht.

Überall gibt es hier Streit und offene Fehde, und doch will die Stadt Freiheit verbreiten und das Recht hochhalten. Dabei scheint es sehr umkämpft, alles Recht, Freiheit und das eigenständische städtische Leben. Geht es nur um Macht in diesem Leben?

Das St.Johanniskloster wurde – wegen Sittenlosigkeit, wie man sagt – gespalten: Die von Teilen des Rates unterstützten Mönche haben in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Aufbauarbeiten geleistet und wurden nun vor zwei Jahren fast mit Gewalt weit aufs Land versetzt. Während die vor kurzem neu hinzugekommenen Nonnen sich jetzt in allem breitmachen dürfen. Nicht allen gefällt das, und es gibt noch ein hefitges Hin und Her und sogar einige Prozesse. Man munkelt, der Papst müsse hier Recht sprechen. Doch er dürfe das gar nicht, meinen einige Lübecker Ratsherren und wehren sich dagegen und prozessieren.

Die Lübecker Bürger haben aber noch an anderer Stelle eingegriffen: Die noch vor wenigen Jahrzehnten vorhandene Adelsburg an der Trave haben sie zu einem Kloster umgebaut und den Dominkanern übergeben. Dort herrscht aber so reger Betrieb, dass mir das zu viel ist.

Den Franziskern – ein wesentliche ruhigeres Völkchen – habe ich schon in der kurzen Zeit viel von Wismar erzählt, und sie waren äusserst interessiert. Auch dächten sie eben genau daran: In Wismar in Bälde ein Kloster mit einer Schule zu gründen, und sie könnten schon in wenigen Jahren beginnen.

Mich selbst aber quälen noch die Erinnerungen: Ich kann die Slawen nicht vergessen, die Juden schon gar nicht. Aber ich habe in Lübeck noch keine gefunden.

Wie soll ich mit der Last der Erinnerungen, der Sehnsucht nach Frieden und Freude unter Freunden umgehen? Ubi sunt gaudia mea, wo sind meine Freuden?, möchte ich hinzufügen. … ich will die zusätzliche Sehnsucht nach – ich muss es vor mir selbst gestehen – einem Weib und einem Zuhause gar nicht erst aufkommen lassen. Aber solche Wünsche verfolgen mich nun schon seit einiger Zeit des nachts und oft bin ich froh, dass diese Nächte bei den strengen Franziskanern nur so kurz sind.

Dafür sind meine Tage hier mühsam.

Über das Recht der Stadt Lübeck und den höchst intensiven und etwas eigenartigen Handelsbetrieb will ich die nächsten Tage mehr erfahren. Und ich hoffe, es gelingt mir. Auch muss ich mich noch vor dem erneuten Zusammentreffen mit Friedmanns Witwe nochmals eingehend beim Rat nach der Rechtslage erkundigen, vor allem, inwieweit sie Gedanken des kanonischen Rechts anerkennen in Handelsverbindungen anerkennen würden.

Doch ich will ich weiter, muss ich weiter: Über Hamburg nach Bremen, wo mich Instruktionen erwarten.

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