Rat und Stadt und Ferne

Die Stadt Lübeck baut seit 21 Jahren an einem ungemein beeindruckenden Rathaus. Man hat den Eindruck, es sei das wichtigste Gebäude der Stadt. Ein schneller Folge tagt hier der Rat, das Herz dieses Gemeinwesens.

Der Rat regelt die Innen- und Aussenbeziehungen von Lübeck, und er hat sich mit einer grossen Kanzlei ein gut organisiertes Instrument geschaffen. Dort werden Erlasse ausgefertigt, Gesuche und sonstige Briefe erstellt und eine Bibliothek bevorratet, die jedoch nur Ratsmitgliedern zugänglich ist.

Lübeck ist das Herzstück eines Handelsverbundes geworden, den sie untereinander „Hanse“ nennen. Und hier, im Rathaus von Lübeck, entsteht im Obergeschosse gerade ein Saal, der die zukünftigen Versammlungen dieser – ich will es einmal so nennen – Handelsgenossenschaft beherbergen soll.

Hier in Lübeck spürt man ferne Städte und Länder so nah, wie ich es noch nie erlebt habe. Und wenn ich alles richtig verstanden habe, so haben schon Dutzende von Städten das Recht und die Organisation dieser Handelsstadt kopiert oder wenigstens teilweise übernommen: Man will sich auch in der Ferne so verstehen, als wäre alles nah.

Zu meinem Auftrag, nämlich das Schulwesen zu untersuchen, finde ich hier wenig Neues. Denn alles scheint im Umbruch. Und rund um das Rathaus hat man mir zugesteckt, man hätte sogar bis nach Padua Beziehungen geknüpft, denn man suche allenthalben Rechtsgelehrte, die auch in der Lage wären, römisches und nordisches Handels- und Stadtrecht miteinander zu verbinden oder sogar auszugleichen.

Mein wichtigstes Herzensanliegen ist jedoch, heute noch Friedmanns Witwe zu treffen und mit ihr unseren Vorschlag, den von Nikolaus und mir, zu besprechen. Ob sie die vielen Schritte dieses Planes nachvollziehen kann, das weiss ich noch nicht. Ich werde sehen, wie sie reagiert… Und ich hoffe, sie konnte überhaupt schon aus Ratzeburg anreisen und sich hier in Lübeck einrichten. Sollte sie einverstanden sein, werde ich sofort eine Urkunde aufsetzen und – so mein Vorhaben – dann dem Rat der Stadt in Kopie einreichen, damit der Vorgang rechtswirksam dokumentiert ist. Denn grundsätzlich – das haben mir die Ratsherren versichert – grundsätzlich ist mein Vorhaben möglich.

Ob ich dann dem Bruder Nikolaus einen schwarzen oder einen weissen Stein nach Wismar schicken kann, das wird sich erst in wenigen  Stunden entscheiden! … ein wenig schwindelt mir bie dem allem…

Ich werde diese Stadt aber in jedem Fall morgen Richtung Hamburg verlassen, denn ich kann hier nichts mehr ausrichten. Doch es bleibt ein intensiver Eindruck. Und ein grosses Staunen.

 

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