Suburbio

In suburbio Stadensi“..

so muss man das Marien-Kloster beschreiben, das die Benediktiner vor den Stadtmauern der gar nicht so kleinen Handelsstadt Stade betreiben. Ich bin aber völlig verblüfft, was die Mönche – allen voran ihr Abt – hier zu treiben scheinen. Ich hatte so etwas erwartet, wie ich es von St. Maurice her kenne: Disziplinierte Stundengebete, intensive und langgedehnte Laudes, intensive Fasten- und Einkehrzeiten.

Aber nein! Die Benediktiner befassen sich mit der Kolonisation des Ostens, insbesondere der Livländischen Konföderation, oder der

Terra Mariana“,

dem Marienland, wie sie es nennen. Und es ist fast, als ob sie – in Schreibstuben, in den Werkstätten und sogar in den Warte- und Schlafsälen der Pilger, die es hier auch in Fülle hat – eine Art Inbesitznahme der baltischen Länder vorbereiteten. Und die vielen Händler und Fernreisenden, die die Stadt Stade hier anzieht, und von denen sie lebt, die gehen hier auch ein und aus. Und ich muss zu meinem Entsetzen eingestehen, dass unter ihnen auch einige Frauenzimmer waren. Und ob es denn hier wirklich geziemlich zugehe, das weiss ich nicht so genau zu sagen. Es dünkt mich seltsam hier…

Der erste Eindruck an diesem Abend, was mich selbst und meinen weiteren Verbleib betrifft, ist der: Es gibt hier ja noch das Franziskanerkloster im Innern der Stadt, nahe an dem kleinen Fluss „Schwinge“, also so etwas wie Biegung. Und ein wenig erinnert mich der Ort an das ehemals keltische Cambodunum, das sie heute „Kempten“ nennen, oder auch an Celle: Biegung des Flusses, die namensgebend wirkte, und dann die Befestigung der Furten (Celle) und der Stadt (Kempten). Und ich meine fast, ich könnte dort, bei den „niederen Brüdern“ mehr Ruhe finden. Zu „Carolus“ passt wohl das hiesige Kloster, zu „Paulus“ könnte das andere besser hinführen… Denn wohlfühlen, das würde ich mich hier nicht. Und wie soll ich da meinen Bericht an den Abt Nantelmus in St. Maurice d’Agaune in Ruhe schreiben, zudem ich und dem ich verpflichtet bin?

Es ist noch ein Weiteres, das mich sehr interessiert: Die Mönche hier sagten mir, es hätte hier, im Kloster St. Marien in Stade, bis vor sieben Jahren einen Abt gegeben, Albert mit Namen. Der sei in fast vier Jahren von Stade bis ganz nach Rom gegangen und danach hätte er das Kloster verlassen und sei – resigniert, wie man sagt – in das Franziskanerkloster in der Stadt gewechselt. – Mich interessiert das: Ich will diesen Albert kennen lernen. Und vielleicht erfahre ich von ihm mehr über seine Reisen! Vielleicht hat er auch Aufzeichnungen gemacht, so wie ich auch… Es wäre ungeheuer interessant, ihn dazu zu befragen…

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