Eine erste Begegnung

Die Franziskaner haben mich aufgenommen. Und es ist ein inniges, doch auch strenges Leben hier. Die Stunden, an denen ich zum Verfassen meiner Notizen oder gar zum Studieren komme, die sind dadurch streng reglementiert.

Auch tut der kalte Winter mit seinen kurzen Tagen sein Übriges: Es ist klamm in allen Räumen, selbst in der Schreibstube. Und nur das Refektorium haben sie hier beheizt. Immerhin: Das war genau das, was ich mir auf meiner Reise hierher für mein Winterquartier gewünscht habe!

Und auch der frühere Abt des Benediktinerklosters, in dem ich zuerst untergekommen war, Albert, ist unter den Minderbrüdern. Ein wenig seltsam scheint er mir allerdings, und er hat mich zuerst eine ganze Weile kritisch gemustert, bevor er – von sich aus – mit mir sprach.

Doch konnte ich ihm ja – weisungsgemäss – nicht alles sagen. Jedoch musste ich mein Verhalten plausibel machen, und so erzählte ich ihm wahrheitsgemäss, ich sei auf einer Bildungsreise, die mir im Wesentlichen mein Kloster in St. Maurice finanziere. Das ist ja alles richtig. Und der Bischof von Bremen habe verfügt, ich könne hier oder bei den Benediktinern die eigentlichen Wintertage verbringen und einen längeren Bericht an meinen Abt, Nantelmus, verfassen.

Albert wurde dennoch sehr hellhörig, und mir scheint er weiss ungeheuer viel, mehr als er anfangs zu erkennen gab. Und so bin ich gespannt, was ich von ihm, dem geheimnisvoll wirkenden, noch erwarten kann.

Zu meiner Überraschung lud er mich ein, ihn am kommenden Sonntag ausgerechnet in das Benediktinerkloster zu begleiten, das er selbst verlassen hatte. „Nach dem Gottesdienst, und wir lassen das Mittagsmahl ausfallen“, beschied er mir kurz, knapp und mit einem Akzent, wie ihn Viele hier haben… man gewöhnt sich daran.

Bis dahin mache ich noch ein paar Spaziergänge in den Auen und kleinen Wäldern rund um die ungemein geschäftige Stadt Stade.

 

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