Im Kloster

Das Kloster Mariensee, das ich noch vor dem vergangenen Wochenende von Neustadt aus in weniger als zwei Stunden Fusswegs erreichte, liegt unweit des Leineufers in einem kleinen Ort, der vor recht genau 40 Jahren unter dem lateinischen Namen „lacus sancte marie“ bereits Erwähnung in der Gründungsurkunde des Vorfahren meines Auftraggebers fand.

Die Äbtissin Barbara nahm mich sehr freundlich, jedoch auch ein wenig nachdenklich auf und wies mir eine Zelle ganz am Rande des recht neuen Klosterkomplexes zu. Ein besonderer Vorzug ist der ebenerdige Ausgang in den Klostergarten, mit einer eigenen Tür ins Freie, einer Tür, die von der Zelle aus über einen winzigen Vorraum zu erreichen ist. Auch hat es in meinem Flügel innerhalb des Hauses eine kleine Quelle, die in einem putzigen Brünnlein in Stein gefasst ist und über eine Rinne im Fussboden wieder nach draussen abfliesst.

Kurz nach meiner Ankunft wechselte das Wetter, die geringe Schneeauflage, die alles so herrlich strahlend und weiss gemacht hatte, schmolz und es wurde etwas wärmer. Vor allem aber ist es nun feucht: Feucht in den nassen Wiesen, feucht in der klammen Luft und den kalten Nebeln, und sogar feucht im Haus. Und erst recht in meiner Zelle.

Einzig in dem Refektorium ist ein beheizbarer Kamin eingerichtet und er wird auch fast den gesamten Tag befeuert. Ich esse dort getrennt von den in strenger Klausur lebenden Nonnen, und es hat nur noch einen Mann dort, der für die Klosterwerkstatt und ein paar Pferde verantwortlich ist. Doch ich verstehe ihn nicht, und sein Deutsch ist wie eine Fremdsprache für mich… Dennoch: Wir essen zusammen, und ich habe das Tischgebet auf Latein gesprochen.

In dieser Woche, die heute nun schon in den zweiten Tag geht, wolle sie mit mir das Vorgehen im Unterricht besprechen, und ich bin gespannt, ob sie heute dazukommt. Denn mit des Grafen Wölpes Tochter Margarethe hat die Äbtissin Barbara noch nicht gesprochen, und so habe ich meine zukünftige Schülerin noch nicht persönlich gesehen.

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