Judica

Ich bin an diesem Abend des 5. Apriltages, es ist ein Sonntag, vom Kloster Saarn aus hierher gekommen. In die Handelsstadt Duisburg, ganz nahe an den Rhein. Und es war der Sonntag „Judica“, an dem wir des Psalmes gedachten, der da beginnt

„Judica me, Domine…“

 Verschaff mir Recht, o Gott, und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk!“

Der Weg, den sie „Hellweg“ nennen hier, wie schon auf dem Weg von Osten kommend nach Hildesheim, der hat mich die vergangenen Tage hierher an den Rhein geführt. Genauer: An die Stelle, an der Rhein und Ruhr zusammenfliessen. Und erneut ist es feucht hier und überall scheint Wasser zu sein. Nur die Stadt Duiburg liegt auf einem stets trockenen Hügel – wenn man die leichte Geländeerhebung so nennen kann. 

Die gestrengen Zisterzienser im Kloster Saarn haben mir heute früh ins Gewissen geredet, ich möge doch noch vor dem Osterfest in zwei Wochen eine Gewissensprüfung vornehmen. Damit ich nicht unwürdig in die Karwoche ginge.

Und mit grossen Schmerzen erinnere ich mich der vergangenen Fastenzeit, und gerade um die letzten Fastensonntage herum versank ich in tiefster Schwermut… Ich möchte das nicht nochmals erleben! Ich sehne mich nach Freude! Nach Wonne! Ja nach Tanz und Musik! … Es ist seltsam. Ich werde mich von Gott prüfen lassen: „Richte mich Herr…Judica me, Domine“, aber ich werde nicht meinerseits mein Gewissen zermartern, ich werde mich nicht erneut quälen.

Ich will meine Augen auf den Herrn richten, immer wieder neu, und sie dort behalten…

Morgen will ich mir Kaiserswerth ansehen und dann möglichst bald nach Köln übersetzen, das ich hoffe, in der kommenden Woche zu erreichen. Schliesslich soll mein Studium ja bald beginnen. Und so dubios mein im Grunde geheimer Auftrag auch sein mag: ich freue mich unbändig auf den Unterricht!

Doch wie ich vor wenigen Minuten hörte, spricht man von einer übermässig grossen Ansammlung von Soldaten in Kaiserswerth, ja sogar einer Belagerung. Und man sagte mir, ich solle nicht hingehen… Doch ich werde genau das tun, ich muss es mit eigenen Augen sehen. Ist es gefährlich, so werde ich es merken. Ist es ein Gerücht, dann auch.

Ich werde nun in der alten Kirche hier in Duisburg, von der ich hörte, sie wollten sie abreissen, zurückziehen. Und wie schon das heftig belebte Münster ist mir auch Duisburg viel zu geschäftig…

… ich höre mein Herz kaum…

Schreiben Sie einen Kommentar