Sint-Truiden

Es ist ein alter Handelsweg, so etwas Ähnliches wie die Fortsetzung des Hellwegs zwischen Köln und Leuven, oder vielleicht sogar bis Brügge, auf dem sich meine am Ende doch beschwerliche Reise hierher in das kleine Sint-Truiden abspielte. Eine einsame Reise.

Der Vorteil, mich in der für mich sehr schwer verständlichen Sprache nur recht wenig erkundigen zu müssen, dieser Vorteil überwog allerdings. Und das warme und freundliche Wetter erhellte auch mein betrübtes Gemüt:

Es ist ein Sehnen nach dem, was ich hinter mir gelassen habe: Den hilfsbedürftigen Haushalt der Witwe Friedmanns in Lübeck, dessen sich nun mein Gefährte Nikolaus angenommen hat. Es ist ein Sehnen nach der ungeheuren – wenn auch bisweilen seltsame Blüten treibenden – Gelehrsamkeit Alberts von Stade. Dann freilich auch ein Sehnen nach der Gesellschaft Margarethes, deren Mission ich hier, auf diesem Weg erfülle, aber deren Gegenwart mir um ein Vielfaches lieber wäre.

Vor allem aber ist es ein Sehnen, das seinen Blick „ad orientem“, nach Osten, gerichtet hat, wie von dem Königsthron in Aachen aus, immer den einen König erwartend, der sicher kommen wird und um dessentwillen wir „leben und weben“, wie es der grosse Apostel der Heiden einmal gesagt hat.

Und es ist ein Sehnen nach dem, was vor mir liegt. Ein Verlangen, das zu erleben und zu „trinken“, was der bereitet hat, dem ich täglich, nein stündlich neu meine Schritte anbefehle.

Und in dem ruhigen kleinen Kloster bereitet sich mein Herz darauf vor, etwas nahe zu sein, was ich nie geglaubt hätte auch nur von Ferne zu sehen. Morgen wird es soweit sein. Und mir ist angst und bange: Wie werden sie mich aufnehmen, den einfachen Bauernbub aus den Walliser Bergen?

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