Was bisher geschah…

Sieben kleine und sieben grosse Bücher: Das wird der Gesamtumfang aller „Reisen im Leben des Carolus Paulus“ sein. Eine Lebensreise, die er – der „Held“ – in wesentlichen Teilen vor allem anfangs selbst schreibt. Und die er, in einem durchaus bescheiden daherkommenden Überschwang und in lebhafter Erinnerung an die Karls-Vita des Einhard, „Vita Caroli“ genannt hat. – Wir haben diese Titulierung mit einem kleinen Zusatz („Pauli“) übernommen.

Wir sind in der Mitte des 13. Jahrhunderts, als die Geschichte beginnt. Und sie beginnt mit der Reise, die er selbst später als Vorausdeutung aller Reisen seines Lebens sehen wird:

An Weihnachten, im Jahre 1246, beginnt Carolus Paulus mit den Aufzeichnungen aus seinem Lebens, in aller Bescheidenheit, wie er betont, aber durchaus mit weltlichen und kirchlichen Vorbildern, die er im Kloster von St. Maurice leicht erreichen konnte und die ihn beflügeln.

Und in dem jungen Burschen, der mit 20 Jahren schon Mönch und Priester ist, reift eine Idee, die ihn fast zwanghaft verfolgt und antreibt: Es ist das Reich des Wissens und der Bildung, die er erkunden und ergründen will. Dahinter steht jedoch eine grosse Frage, die ihn noch lange beschäftigen und die sein Leben prägen wird: Was ist dieses „Reich“, das „Imperium“, in dem sich all dieses Wissen und Erkennen, all das Handeln und Wollen der Menschen abspielt?

Instinktiv spürt er, dass das, was wir heute Bildung nennen, nicht nur eine Frage der Machtausübung einer Oberschicht und ihrer Beamten und Kleriker ist. Und dass sie, die Bildung, nicht nur eine Frage der frommen Selbsterhebung von Einsiedlern sein kann. Sondern umfassende Kenntnisse und Fertigkeiten zu haben, das ist ebenso eine notwendige Bedingung der Durchdringung der heiligen Schriften, die ihm so viel bedeuten.  Und das betrifft alle, auch die Einfachen. Es ist eine Art Christenpflicht, denkt er.

Denn der Glaube «kommt aus dem Hören», darin folgt er Paulus, seinem inneren Vorbild, und besonders aus dem Hören des Wortes Gottes. Dieses Wort muss daher gelehrt werden. Doch zuvor muss es erkannt werden, man muss dazu eigentlich lesen können und man muss es, das spürt er immer mehr, in seiner eigenen Sprache verstehen können.

Und darin erhält er vom Kirchenvater Augustinus seine wesentlichen Anstösse, der ausgerechnet über dieses Kundigwerden des Christenmenschen ein eigenes Buch geschrieben hat. Und aus einem noch ungeordneten Konvolut von Gefühlen, Gedanken, Impulsen und Abenteuerlust heraus will der junge Mönch Carolus das machen, was man später eine Bildungsreise nennt. Er selbst hat diese Ereignisse immer wieder dokumentiert und – beginnend am Weihnachtsfest 1246 – in „Inscriptiones“ kommentiert.

Die Aufzeichnungen, mit denen wir ihn in diesen prägenden Tagen der ersten Anfänge beobachtet haben, erscheinen in Kürze als Buch unter dem Titel „Initia – Die Anfänge“. „770 Jahre danach“ ist die dabei leitende Idee.

Er glaubt sich freilich am Ende, als der Abt des Klosters St. Maurice, in dem er Noviziat und Ausbildung erhielt, der ehrenwerte und schon fast greise Nantelmus, ihm dies fast rüde verweigert.

Doch dann wendet sich der Lauf der Dinge. Und Carolus Paulus wird schlagartig geradezu zum Instrument der Kräfte und Mächte, an denen er – obwohl sie ihn befähigt und geprägt haben – just in diesen Tagen beginnt erstmals zu zweifeln. Er wird Instrument der Investigation und des Gestaltungswillens allerhöchster Würdenträger:

Ausgerechnet er soll nämlich in einer mehrjährigen Reise „seinem“ Abt die Vorlage für einen umfassenden Bericht an den Papst Innozenz IV. liefern, wie man das Schulwesen breiter ausbauen, ggfs. öffentlich zugänglich machen und dabei die Universitäten aber inhaltlich enger an die römische Kirche binden könne. Durchlässigkeit und Differenzierung sind die heutigen Begriffe, und es ist eigentlich ein politisches Konzept, das die Kirche da – noch unausgesprochen aber deutlich vor dem Hintergrund des fast gleichzeitig zustande gekommenen Entschlusses der Dominkaner in einer Reihe von Ordensprovinzen einen kurrikulär gegliederten Universitätsbetrieb einzurichten – zu verfolgen scheint.

Mehr verwirrt als vorbereitet macht sich also Carolus Paulus am 22. April des Jahres 1247 zu Fuss auf die lange und gefährliche Reise.

Mühsam erinnert er dabei sich, während dieser Reise noch an die sechs Themen der Fastensonntag die seiner Berufung zu diesem Werk einer «Bildungsreise» unmittelbar vorausgehen. Und diese «grossen Themen» der Fastenzeit begleiten ihn – samt einem siebten, abschliessenden Osterthema – in viel tieferer Weise, als er anfänglich angenommen hatte.

Der kleine, grosse Bub Markus, der er einmal war, und der – durchaus schon etwas gereift – als Mönch jetzt Carolus Paulus heisst, weiss nicht, dass er sich ab dem Tag seiner Abreise im April 1247 auf einer Reise befindet, die sein Leben ein für alle Mal verändern wird.

Die Geschichte der „Vita-Caroli-Pauli-Erzähungen“ entfaltet sich.

Genau 1260 Tage später, eine durchaus alttestamentarische Frist, beginnen diese grossen Themen der Fastensonntage aber dann auch sein eigenes Leben so zu verändern, dass er einfach nicht mehr der bleiben kann, der er glaubte zu sein. Und sein «wahres Leben» beginnt. Die erste grosse Erzählung dieses „wahren Lebens“, INVOCABIT, schildert – im Ton eines Abenteuerromans – diese Schlüsselereignisse der «Lebenswende» in eindrücklicher Form. Hier beginnen die eingangs angesprochenen «grossen Bücher».

Die ersten persönlichen Aufzeichnungen des Carolus Paulus haben wir öffentlich gemacht und auch die aktuelle Reise ist – taggenau ab dem 25.12.1246 bis zum heutigen Tag – in verschiedenen Etappen entweder nachzulesen oder aktuell mit zu verfolgen:

„INITIA – Zeit der Anfänge“ (25.12.1246 – 21.4.1247)

„TEMPUS INVOCATIONUM – Zeit der Anrufung“ (22.4.1247 – 18.10.1247; 180 Tage) ist am 15. März 2017 als Buch und eBook erschienen. Bitte folgen Sie dem Link.

TEMPUS RECORDATIONIS – Das Gedenken (Arbeitstitel; Vom 19.10.1247 bis zum 15.04.1248; taggenau zu vefolgen)

Der Reiseweg und seine Zeiten und Stationen sind pro Reise unter ITINERARIUM nachzulesen.

Wir begleiten Carolus Paulus hier anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen über die erste, präegnde Reise durch den deutswchen Teil des Imperium Romanum, einer Reise, die er – so gut er konnte – an den verschiedenen Stationen, nach vielen „miles, mansiones et mutationes“, nach Meilen, Herbergen und Pferdewechselstationen, durchlitten und durchlebt hat.

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